Neue Gruppen…

Der Arbeitskreis zur Kritik des Antisemitismus hat sich aufgelöst, die Menschen haben sich in anderen politischen Zusammenhängen wiedergefunden:

surpasser – Kommunistische Gruppe Weimar

gruppe disparat Berlin/Weimar

„Das iranische Regime und die Bedrohung Israels“

Hier ein Mitschnitt des Vortrages „Das iranische Regime und die Bedrohung Israels“ von Stephan Grigat vom 17.03. in der kleinen Synagoge Erfurt. Der Vortrag ist gleichzeitig auch eine Buchvorstellung des Buches „Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ von Stephan Grigat und Simone Dinah Hartmann.

Vortragsveranstaltung: „Analyse einer Vernichtungsideologie“

Eine Einführung in die Kritik des Antisemitismus und des Antizionismus.

Die letzten großen antizionistischen Massenkundgebungen im Januar diesen Jahres in aller Welt haben eines bewiesen: Der antisemitische Kampf hat sich globalisiert.
Die dabei praktizierte Allianz aus Rechtsradikalen, Islamisten, „normalen Bürgern“ und Teilen der Linken verweist auf Gemeinsamkeiten in der Ideologiebildung.
Ebensowenig, wie der heutige Antisemitismus irgendetwas mit dem tatsächlichen Verhalten von Juden und Jüdinnen zu tun hat, hat der Antizionismus als dessen Platzhalter und Ausdruck unmittelbar etwas mit dem Verhalten der jeweiligen israelischen Politik zu tun.
Wir wollen aussgehend von einer Ideologiekritik nachzeichnen, wie Antisemitismus heute funktioniert und ihn als gesellschaftlich konsenfähige Wahnidee kritisieren.

Der Vortrag findet am Mittwoch, den 25.03. um 19 Uhr in der Gerberstraße 1 in Weimar statt.

Pressereaktionen zur gestrigen Veranstaltung im Mon Ami

Thüringer Allgemeine:

Gallas warb für Reise in den Iran

Über 40 interessierte Weimarer nutzten gestern Abend im mon ami die Gelegenheit, von Dr. Klaus Gallas mehr über die Iran-Bürgerreise zu erfahren.

WEIMAR (rd). „Selbst bei unserer jüngsten Reise mit Vertretern der Stadt gab es auf dem Hinflug noch Vorbehalte. Doch alle sind euphorisch zurückgekehrt.“ Eindringlich warb Reiseleiter Dr. Klaus Gallas gestern darum, dass Weimars Bürger im Juni zum Dialog der Kulturen mit in den Iran reisen. Maximal 200 Plätze bietet die von “ Zeit-Reisen“ veranstaltete Bürgerreise. Davon sollen 25 bundesweit, das Gros aber in Weimar zum Preis von knapp 1700 Euro verkauft werden.

Eine Gruppe junger Weimarer, die ein Papier als Arbeitskreis zur Kritik des Antisemitismus unterzeichnete, nutzte den Abend, um die Reisepläne prinzipiell zu hinterfragen. Gallas selbst und eine junge Iranerin waren bemüht, die Vorwürfe zu entkräften. Gleichwohl legte der Reiseleiter jenen Interessierten, in deren Pass sich ein Einreisestempel Israels befindet, nahe, einen Zweitpass zu beantragen.

Die Reiseanmeldungen sind derzeit im Rathaus erhältlich und ausgefüllt zu “ Zeit-Reisen“ per Post oder Fax zu senden.“

Thüringer Landeszeitung:

„Wichtig ist der Dialog“

Weimar. (tlz) „Ich garantiere, dass alle begeistert sein werden und zu Botschaftern des Kulturaustausches werden. Das ist genau das, was ich erreichen möchte.“ Kaum Vorbehalte, dafür viel Aufgeschlossenheit begegnete Dr. Klaus Gallas bei seiner ersten Informationsveranstaltung am Montagabend zur Iranreise vom 10. bis 20. Juni. An seiner Seite bei Präsentation des Reiseprogramms war die junge iranische Musikwissenschaftlerin Sara Tavakalimeh, die vor einem halben Jahr ein Studium an der Franz Liszt-Hochschule aufgenommen hat und von ihrem Heimatland erzählte. „Was in den Medien vom Iran berichtet wird, ist nicht so schön“, hofft sie, dass viele die Chance nutzen, sich persönlich einen Eindruck verschaffen. „Wichtig ist der Dialog“, setzt Gallas auf Kommunikation und Abbau von Vorurteilen durch Kennenlernen. „Nur wenn wir miteinander reden, können wir uns verständlich machen.“ Knapp 80 Interessierte waren ins Saalcafé im mon ami gekommen, um mehr über die Reise, die Formalitäten, das Land zu erfahren. Ihre Fragen betrafen Kleidung, Klima, medizinische Versorgung, die Anmeldung. „In den letzten 30 Jahren hat sich im Iran unglaublich viel verändert“, unterstrich Gallas, der das Land 1972 erstmals bereiste. Er ist beseelt von der Idee, etwas zur Annäherung von Orient und Okzident beizutragen. „Mit vielen kleinen Schritten kann man so viel erreichen“, betonte der Initiator des Festivals West Östlicher Diwan das völkerverbindende Element. Schon jetzt steht das nächste Partnerland seines Festivals fest: 2010 werde Marokko Ziel des Kulturaustausches sein, erste Gespräche haben bereits stattgefunden. Sogar für 2011 gebe es bereits mehrere Kandidaten. Vor dem mon ami verteilten Vertreter des „Arbeitskreises zur Kritik des Antisemitismus Weimar“ Flugblätter, auf denen sie die „antisemitischen Vernichtungsdrohungen gegenüber Israel und die Verfolgung Andersdenkender“ im Iran anprangerten und Front gegen „den Austausch mit einem Diktator unter dem Deckmantel der Kultur“ machten. Auf die Frage einer Bürgerin „Wissen Sie eigentlich, dass im Iran ganz viele Juden friedlich leben?“1, blieben sie die Antwort schuldig. Wer die Menschenrechtsverletzungen in den Vordergrund stelle, wähle die falsche Perspektive, meinte Gallas. Dass der einseitige Blick geweitet wird, dafür bürgen das Festival, die 200 mitreisenden Weimarer und die Staatskapelle Weimar.

Radio Lotte:

  1. Die Frage wurde damit bentwortet, dass im in Iran lebende Jüdinnen und Juden dort nur so lange friedlich leben können, wie sie offen den Staat Israel ablehnen. Dies wurde von der anwesenden Presse anscheinend nicht berücksichtigt. [zurück]

„Horizonterweiterung“ bei den Mullahs

Der folgende Text wurde gestern, am 09. März, anlässlich einer Informationsveranstaltung von Dr. Klaus Gallas im Mon Ami in Weimar verteilt.

Während sich das Horrorszenario der atomaren Bedrohung gegen Israel im Iran immer weiter in Richtung Realität entwickelt1, lässt man es sich in Weimar nicht nehmen, seinen kulturellen Horizont in einer Diktatur zu erweitern.

Dr. Klaus Gallas, Initiator des Festivals „West Östlicher Diwan Weimar 2009“ sprach in einem Interview davon, dass er „einen Traum, eine Vision“ habe, nämlich „gegenseitige Berührungsängste, Vorurteile und Missverständnisse, die auf beiden Seiten bestehen, aufzudecken, um damit Chancen für die Annäherung und das Verstehen der Menschen unterschiedlicher Kulturkreise und Religionen zu eröffnen “2.
Das Festival, welches im Sommer 2009 in Weimar und dem Iran stattfinden soll, wurde laut Gallas ins Leben gerufen, um einen kulturellen Austausch zwischen Weimar_innen und Iraner_innen zu ermöglichen. So soll begleitend zu einer Tour der Staatskapelle durch die Städte Persepolis, Schirâs und Teheran eine Bürger_innenreise angeboten werden, um Interessierte aus Weimar und der Bundesrepublik teilhaben zu lassen.
Mit der Namensgebung des Festivals knüpft man nicht zufällig bei Johann Wolfgang von Goethe an, der einen seiner letzten großen Gedichtbände unter eben jenem Titel veröffentlichte. Goethe bemühte sich in diesem Band ebenfalls um einen Kulturaustausch zwischen „Abend – und Morgenland“. Man sieht sich hier in einer kulturellen Tradition der „Klassikerstadt Weimar“.
Das sich die politische Situation in den letzten 200 Jahren allerdings grundlegend geändert hat und man den Iran nicht losgelöst von der dort herrschenden Machtstruktur betrachten kann, blendet Dr. Gallas völlig aus.

Die islamische Republik Iran ist – wie der Name schon sagt – ein Gottesstaat. Dementsprechend ist das politische System im Land der islamischen Religion unterworfen, was die Religion auf eine politische Ebene hebt, weshalb man von politischen Islam sprechen kann.
Dieses klerikalpolitische System gibt den herrschenden Mullahs, den islamischen „Rechtsgelehrten“, quasi völlige Macht. Es ist grausame Tatsache, dass im Iran Frauenrechtler_innen, Gewerkschafter_innen und Oppositionelle verfolgt werden. Da die iranische Rechtssprechung die rechtliche Ausformulierung der Scharia – der islamischen Gesetzgebung – ist, werden homosexuelle Handlungen und Prostitution im Iran mit dem Tode bestraft. Doch das sind sicherlich nicht die Dinge, die die Weimarer Bürger auf ihrer Reise durch das Land zu sehen bekommen werden.
Daneben beherrscht ein radikaler Antisemitismus einhergehend mitsamt seiner geopolitischen Reproduktion – dem Antizionismus – das politische Klima im Iran. „Revolutionsführer“ Großayatollah Ruhollah Khomeini, welcher bis zu seinem Tod 1989 Staatsoberhaupt des Iran war, agitierte 1977 für die islamische Revolution mit folgenden Worten: „Die Juden haben sich mit beiden Händen auf die Welt gestürzt und sind dabei, sie mit unersättlichem Appetit zu verschlingen. Sie haben Amerika verschlungen und haben sich als nächstes dem Iran zugewandt und sind immer noch nicht zufrieden.“
Zu den glühendsten Verehrern Khomeinis gehört bis heute auch der amtierende iranische Präsident, Mahmud Ahmadinejhad. Auf der Konferenz „Eine Welt ohne Zionismus“, welche 2005 unter staatlicher Beteiligung in Teheran stattfand, sagte Ahmadinejhad: „Wie der Imam [Khomeini] sagte, muss Israel von der Landkarte getilgt werden.“

Umso abscheulicher erscheint es angesichts dieser Tatsachen, dass man sich in Weimar um einen Austausch auf politischer Ebene bemüht. So besuchte eine eine Weimarer Delegation, bestehend aus Oberbürgermeister Stefan Wolf, Festivalleiter Klaus Gallas, Orchesterdirektor Martin Wittkowski und Kulturmanager Martin Kranz anfang Februar 2009 den Iran und man traf sich dort mit Personen aus Kultur3 und Politik.
Man arbeitet nicht nur mit dem iranischen Ministerium für Kommunikation, Kulturerbe, Kunsthandwerk und Tourismus – also einer staatlichen Institution einer Diktatur (nicht anderes ist der Iran), sondern bemüht sich auch um eine Städtefreundschaft zwischen Weimar und Schirâs.
Ein weiterer Beweis für die politische Dimension des Projektes ist, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier persönlich die Schirmherrschaft über das Festival übernommen hat.

Man kann der konkrete Lage im Iran – den antisemitischen Vernichtungsdrohungen gegenüber Israel, der Unterdrückung von Frauen, der Verfolgung Andersdenkender und den Morden an Homosexuellen nicht mit einem abstrakten Ruf nach Völkerverständigung begegnen.
Noch immer ist der Export deutscher Firmen (z.B. Siemens) in den Iran ein wichtiges Standbein für die dortige Wirtschaft und damit auch für die Herstellung von Massenvernichtungswaffen. Nur ein konsequenter wirtschaftlicher Boykott und eine politische Isolation des Iran kann das Wahrmachen der Vernichtungsphantasien verhindern.

Eine Bürger_innenreise und eine Verständigung auf politischer Ebene sind nicht nur ein falsches Signal. Sie hätten auch Khomeini gefreut, der Hitler als quasi Messias verehrte und den deutschen für die Shoah dankbar war.
Daran ändert auch nicht, dass der Gegenbesuch des Bürgermeisters von Shirâs, Mehran Etemadi, dieses Jahr eine Besichtigung des KZ Buchenwald beinhalten wird4. Um eine Demütigung der Opfer des Nationalsozialismus durch mögliche Äußerungen Etemadis zu verhindern, sollte die Stadt Weimar von Etemadi vor einem Besuch eine Positionierung zu den Äußerungen von Ahmadinejad verlangen und eine Verurteilung dessen antisemitischen Vernichtungswahns zur Bedingung machen.

Kein Dialog mit Antisemiten!

Solidarität mit Israel und unterdrückten Menschen im Iran!

  1. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA stellte im Februar diesen Jahres fest, dass der Iran über genug angereichertes Uran verfüge, um Atomwaffen herzustellen [zurück]
  2. Aus einer Pressemitteilung zum „Diwan Festival“ von Dr. Klaus Gallus [zurück]
  3. Unter „Kultur“ versteht sich natürlich nur das, was nicht der staatlichen Zensur des Iran unterliegt. [zurück]
  4. Aus einer Mitteilung der Stadt Weimar vom 05.02.07 [zurück]